Goldman Sachs: Social Media als Zeichen für einen Neuanfang

Es waren ein paar harte Monate für Goldman Sachs, der stärksten Bank an der New Yorker Wallstreet. Im März hatte ein Angestellter aus den eigenen Reihen einen verheerenden Brief über die vergiftete Firmenkultur und -mentalität in der New York Times veröffentlicht. Ein herber Schlag für das Finanzinstitut, was schon seit der Finanzkrise mit Vertrauensproblemen zu kämpfen hatte und seine Reputation nun vollends am Boden sah (der Reputation Manager Blog berichtete).

Schlagworte wie "PR-Alptraum" und "Image-Desaster" machten die Runde und taten ihr Übriges, um die Reputation der Bank zu zerschmettern. Und es war klar – Goldman Sachs muss einen neuen Kurs einschlagen, ein Zeichen für einen Neuanfang setzen, um wieder ein vertrauenswürdiges Finanzinstitut zu werden und in nicht noch größere Schwierigkeiten zu geraten.

Im Mai 2012, einige Wochen nach der schweren Krise, sind erste Schritte des Finanzgiganten in eine neue Richtung erkennbar: Die Bank wagt sich erstmals auf das schnelllebige Gebiet der Social Media. Der neue Social Media Manager der Bank besitzt die herausfordernde Aufgabe, das Image und die Online Präsenz der Bank wieder ins Positive zu wandeln. Zu diesem Zweck ist das Finanzunternehmen nun unter anderem auf Twitter aktiv. Posts zu verschiedenen Aktivitäten der Bank sollen das Geschehen näher an den Kunden bringen und vor allem für mehr Transparenz sorgen.

Goldman Sachs muss sich sein Vertrauen langsam wieder verdienen, seinen Ruf Stück für Stück wieder herstellen. Und die virtuelle Welt stellt dafür ein verlässliches Messinstrument zur Erfassung der allgemeinen Stimmung dar.

Noch große Defizite im Online Reputation Management zu verzeichnen

Diese Investition in die eigene Online Präsenz ist im Falle Goldman Sachs längst überfällig: Gegner des Unternehmens haben unter anderem eine Facebook-Seite mit dem Namen "Goldman Sachs are Financial Terrorists" generiert – und über 4000 Fans. Ein Fake-Twitter-Account "@GSElevator" parodiert die Bank kontinuierlich mit fiktiven Gesprächen aus dem Goldman Sachs Fahrstuhl und verschickt diese schädigenden Posts an tausende Follower. Eine Masse an zerstörerischen Botschaften und Foren, gegen die die Bank in den nächsten Monaten zu kämpfen hat. Es wird dauern, bis diese negativen Posts durch neue, positive Nachrichten verdrängt werden können und bis potentielle Kunden wieder Zutrauen zu dem Institut gewonnen haben. Gerade in der virtuellen Welt bleiben Relikte aus schlechter Presse besonders hartnäckig bestehen und beeinflussen noch lange nach ihrer Verfassung die Leser der Seiten.

Mit der Wahrnehmung und Beeinflussung der sozialen Medien hat Goldman Sachs zunächst mal einen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Denn es war längst Zeit, auf die destruktiven Inhalte im Netz zu reagieren. Es wird sich allerdings zeigen, ob diese Rehabilitationsmaßnahme den Ruf der Bank wiederherstellen kann. Ein Twitter-Account alleine wird dazu nicht reichen und es wird ein langer Weg werden. Aber es ist immerhin ein Anfang, um die Scherben der zerstörten Reputation wieder in ein neues, gutes Image zu verschmelzen.