Bewertungen durch Ex-Mitarbeiter: So beugen Sie negative Reputation vor

Oft liest es sich wie die Schlammschlacht nach einer gescheiterten Beziehung: Wenn Arbeitnehmer und Arbeitgeber getrennte Wege gehen, bleibt nicht selten mindestens eine der beiden Parteien unzufrieden zurück und tritt auf Bewertungsportalen in Form von negativen Urteilen nach. Gerade auf Seite des geschiedenen Mitarbeiters kann sich im Laufe der Jahre Frustpotenzial anstauen, da Unstimmigkeiten im Arbeitsalltag nicht problemorientiert kommuniziert wurden.

Ratgeber: Negative Bewertungen auf Kununu und Co vorbeugen 

Um dem negativen Einfluss auf die Online-Reputation eines Unternehmens vorzubeugen, müssen Arbeitgeber schon vor der Trennung agieren: Der Schlüssel zur Vermeidung eines verbalen Rosenkriegs, liegt vor allem in der internen Kommunikation zwischen Angestelltem und Chef, während beide noch im Vertragsverhältnis zueinander stehen – und nicht erst, nachdem die Scheidung vollzogen wurde.

Kommunikation als Konfliktbewältigung

Das Anforderungsprofil für Arbeitnehmer muss immer mehr Kompetenzen mit sich bringen: Im rasant fortschreitenden Digital-Zeitalter, sollte nicht nur ein prall gefüllter Lebenslauf mit diversen Arbeitserfahrungen vorliegen, sondern auch eine ganze Reihe von entsprechenden Soft-Skills. Teamfähigkeit, soziale Interaktion und Frusttoleranz gehören dabei zum essentiellen Fähigkeiten-Set, das qualifizierte Mitarbeiter vorweisen sollten.

Vor allem der Punkt Kommunikation wird in vielen Unternehmen immer noch als bloße Phrase abgetan und zu selten wirklich ausgelebt. Um negativen Bewertungen auf Portalen wie kununu.de oder meinchef.de vorzubeugen, erweist sich das direkte Vier-Augen-Gespräch nach wie vor als probates Mittel. Viele Angestellte versuchen ihre unbefriedigende Lage auszusitzen und gehen Probleme nicht aktiv an. Dadurch potenziert sich der Frust aber oftmals – eine Verbesserung der Situation wird durch Stillschweigen negiert.

Leistungsdruck und unstetige Arbeitsverhältnisse können die Bereitschaft zur ehrlichen Kommunikation mit dem Vorgesetzten hemmen. Daher bietet es sich oftmals an, zunächst den Dialog mit Kollegen zu suchen und Probleme auf der eigenen Hierarchiestufe zu kommunizieren. In einigen Unternehmen fungieren zudem Mediatoren oder Vertrauenspersonen als Bindeglied zwischen Chef und Mitarbeiter. Das niedrigere Hierarchiegefälle kann sich in diesem Fall entlastend auswirken und zu einem angenehmeren Arbeitsklima beitragen. Sprechen Sie als Arbeitnehmer offen über Ihre Sorgen und Probleme – eine sachliche und ehrliche Ansprache bewirkt in jedem Fall mehr, als das permanente Verweilen im verärgerten Zustand.

Die Rolle des Arbeitgebers

Damit ein böses Erwachen in Form von vernichtenden Bewertungen ausbleibt, kommt es vor allem auf den richtigen Umgang mit Mitarbeitern an. In einem Unternehmen sind eben nicht profillose Maschinen am Werk, sondern Menschen mit komplexen Bedürfnissen, Ängsten und Wünschen. Logischerweise muss der Arbeitgeber in erster Linie auf die Gewinnmaximierung des Betriebs achten, aber gerade dafür erweist sich die Zufriedenheit der Angestellten als elementarer Faktor. Das freundliche Miteinander darf dem blinden Erfolgswillen nicht zum Opfer fallen – viel mehr sollte ein Modell erarbeitet werden, bei dem die Zufriedenheit der Angestellten hohe Priorität besitzt.

Als Paradebeispiel gilt hierfür der US-Streamig-Dienst Netflix. Die Silicon-Valley-Firma verzichtet gänzlich auf vorgeschriebene Arbeitszeiten und überlässt den Mitarbeitern freie Hand bei der Einteilung ihres Arbeitsalltags. Diese liberale Philosophie vertraut auf das Prinzip „Innovation durch Eigenverantwortung“. Minutiös durchgeplante Wochenpläne und auferlegter Erfolgsdruck wurden als Fortschrittsbremsen erkannt und aus dem Konzept des Unternehmens gestrichen. Alle Mitarbeiter können die Anzahl ihrer Urlaubstage selbst bestimmen. Einzige Voraussetzung: Die firmeninternen Ziele müssen erreicht werden – ob ein Angestellter dafür nun 3 oder 30 Arbeitstage benötigt, hängt ganz von der eigenen Arbeitsqualität ab. Dies wirkt sich unmittelbar auf die exzellente Online-Reputation von Netflix aus.

Der Streaming-Dienst gilt als einer der beliebtesten Arbeitgeber der Welt und streicht auf verschiedenen Bewertungsportalen überschwängliche Kritiken ein. Doch nicht nur die zufriedenen Arbeitnehmer sprechen für eine gelungene Denkweise in Sachen Unternehmensführung – auch die Umsatzzahlen geben der Firma Recht: Im letzten Quartal 2015 konnte der Betrieb einen Umsatz von 43 Millionen Euro erwirtschaften und seine Abonnentenzahlen auf über 75 Millionen steigern. Dies zeigt, dass sich ökonomischer Erfolg und die Zufriedenheit der Mitarbeiter keineswegs ausschließen müssen. Im Gegenteil: Ein diktatorischer Stil seitens des Arbeitgebers führt wohl nur in den wenigsten Fällen zu den gewünschten Ergebnissen – von positiven Online-Bewertungen im Nachhinein ganz abgesehen.

Ruf stärken durch gesundes Arbeitsklima

Sobald sich eine Vielzahl von Ex-Mitarbeitern negativ über den ehemaligen Arbeitgeber auslässt, ist es schon zu spät. Viele Neubewerber nutzen entsprechende Portale, um sich einen ersten Überblick über die Firma ihrer Wahl zu verschaffen. Auch wenn es abgedroschen klingen mag: Der erste Eindruck zählt. Eine Kaskade von negativen Bewertungen schreckt ab, auch wenn diese häufig nur ein verzerrtes Bild der tatsächlichen Arbeitssituation wiedergeben. Daher sollte der Ruf des Unternehmens präventiv gestärkt werden – über einen kompetenten, professionellen Arbeitgeber können auch ehemalige Angestellte wenig rationale Argumente hervorbringen. Es gilt das Credo: Der positive Ruf einer Firma kommt nicht von ungefähr und wird sich über lang oder kurz auch auf den einschlägigen Bewertungsportalen abzeichnen.

Innerhalb des Unternehmens sollten alle Beteiligten wichtige Punkte beachten, die nicht nur für ein gesundes Arbeitsklima sorgen, sondern auch den positiven Ruf über das Angestelltenverhältnis hinaus manifestieren:

  • Lob über Kritik: Was in der Theorie simpel klingt, hat praktisch tatsächlich große Auswirkungen: Ein lobendes Wort über geleistete Arbeit ist sicherlich nie Fehl am Platz.
  • Maßnahmen zum Feedback fördern: Viele Mitarbeiter scheuen den direkten Dialog mit dem Chef. Alternativen hierfür sind unter anderem: Team-Meetings, in denen der soziale Umgang im Vordergrund steht, anonymisiertes Online-Feedback, oder sogar der „Zwang“ sich regelmäßig zur aktuellen Arbeitssituation zu äußern.
  • Team-Events, um den internen Zusammenhalt zu stärken – der Gang zur Arbeit darf nicht zur Qual werden.
  • Rücksprache mit den Angestellten halten: Was bewegt sie wirklich?
  • Ehrlichkeit als oberste Maxime: Konflikte dürfen nicht verschwiegen, sondern sollten unmittelbar aus der Welt geschafft werden.

Um negativer Online-Reputation entscheidend vorzubeugen, können einige Präventivmaßnahmen getroffen werden. Jeder Arbeitnehmer besitzt das Recht auf freie Meinungsäußerung und auch mit sachlicher Kritik müssen die Unternehmen umgehen können – sofern kein völlig logikentleerter Kommentar vorliegt, sollten die Betriebe auch davon absehen, Bewertungen zu löschen oder die Portale mit eigens modifizierten Äußerungen zu verwässern. In der aktuell immer schneller fortschreitenden Social-Media-Welt, ist Authentizität die fundamentale Säule für den Ruf eines Betriebes respektive einer Einzelperson. Konstruierte Kommentare werden mittlerweile schnell entlarvt und schaden in der Regel mehr, als dass sie von Nutzen wären. Die Fassade vom allmächtigen Postulat einer unbestreitbaren Wahrheit gehört der Vergangenheit an – heutzutage zählt ein vielfältiges Meinungsspektrum, das auch Kritik beinhalten muss. Die vorherrschende Kommentarkultur erlaubt eine nahezu unbegrenzte Meinungspluralität und bildet diese vor allem im Internet und auf entsprechenden Bewertungsportalen ab. Einem bösen Erwachen kann dennoch entgegengewirkt werden. Über allem sollte die eigene Reflexion und der Wille zur stetigen Optimierung stehen – sowohl wirtschaftlich als auch sozial.